Eltern als Bauerntrampel

Es gibt diese Eltern, die immer frisch frisiert sind (äh, ich müsste mir mal wieder die Haare färben), ohne Flecken auf den Klamotten und immer haben sie in ihrer Handtasche ökologisch unbedenkliche Reiswaffeln, Taschentücher, Notfallspielzeug etc.

Und dann gibt es Eltern wie mich.

Diesen Eltern widme ich die folgende Geschichte.

Gestern hatte ich wieder einen Kindergartentermin in einem Kiga, der 5min Fußweg von uns wegliegt.

Also echt genial bequem klingend. Eigentlich hätten wir da entweder zu dritt hingewollt oder Einer mit dem Zwerg zu Hause bleibend, aber möp, mein Mann ist krank.

Also schleppe ich Zwerg mit. Der auf einmal ab der Bushaltestelle nicht mehr laufen will und zudem einen Kacka in der Hose hat. Ich wickel ihn fix und nehme ihn dann auf die Schulter und komme völlig ko, aber gerade noch pünktlich in der Kita an.

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Da ist ein Sammeltermin mit 13 Eltern(paaren). Alle sind entweder zu zweit oder ohne Kind. Sammeltermin finde ich schonmal doof, aber verständlich. Die Kita will sich Zeit sparen.

Will ich auch.

Geht aber nicht. Ich war schon in 17 anderen Kindergartenterminen, denn gute Kindergartenplätze sind ungefähr so leicht zu bekommen wie 5kg Lindtschokolade für 1€.

Auf dem KitaTisch in der Mitte stehen Teller mit Schokoladenkeksen. Der Zwerg läßt sich von denen ablenken, weil es auch ein Aquarium gibt. Also wechseln wir unseren Platz und ich lasse meine Handtasche aus Versehen stehen. Nicht so schlimm, denke ich.

Fische sind schnell langweilig und Zwerg fragt im 8 Sekunden Takt, wann er denn Kekse essen darf. „Wenn alle Stühle besetzt sind!“ antworte ich „Seeetzt? Sind setzt alle Stühle besetzt, Mama? Seeeettzt?“ (das in Dauerschleife bist tatsächlich 7 Minuten später alle sitzen) Ich bin einfach mal so frei und schnappe mir den Teller und gebe dem Zwerg einen Schokokeks, sobald der Kitaleiter das Wort ergriffen hat.

Von der Rede kriege ich grob geschätzt 12% mit. Den Rest der Zeit bin ich damit beschäftigt, dem Zwerg zu sagen, dass er leiser oder gar nicht reden soll, ihm Vorschläge zu machen, dass er doch mit der Eisenbahn da hinten spielen kann, nein, mehr als drei Kekse darfst du nicht, nein, ich muß jetzt zuhören und kann nicht mit dir nach Hause gehen. Alle anderen Kinder sitzen brav und ruhig auf dem Schoß oder spielen friedlich in der Ecke mit der Eisenbahn. Ab und an klingt mal eine Ermahnung oder ein Wort von den Eltern zu ihnen durch, aber eigentlich ist nur mein Kind laut und stressig Und das, wo er normalerweise immer so schüchtern ist, wenn Fremde da sind!!!

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Zwerg hat seinen dritten Schokokeks aufgefuttert und sieht entsprechend aus. Wie alle Kinder um ihn herum. Also holen alle Mamas ihre Taschen- oder Feuchttücher aus der Handtasche. Meine Handtasche ist weit weg und führt gerade eh keine Tücher mehr, da die (s.o.) beim Wickeln draufgingen. Also lasse ich mir von der Mama neben mir ein Taschentuch schenken. Dann fängt Zwerg an zu quengeln, weil er Hunger hat. Leider fiel der Termin in seine Hauptmahlzeit und auf dem Weg war er zu aufgeregt, um zu essen.

Aber eingepackte selbstgebackene Dinkelstangen sind in der Handtasche. Zwerg will die Handtasche nicht alleine holen. Also stehe ich auf und hole sie. Natürlich liegt sie hinter dem Leiter der Kita, der gerade am Reden ist und ich muß ihn dümmlich grinsend unterbrechen, um die Tasche zu holen.

Nach gefühlt 18h ist die Vorstellungsrunde vorbei und wir dürfen in der Kita rumlaufen und Fragen stellen. Alle Eltern springen los, schnappen sich die Erzieher und versuchen sich zu profilieren. Ich kämpfe mit einem jammernden Kind, was unbedingt sofort nach Hause will. Ich kann es überreden, dass wir uns nochmal den Toberaum angucken und will gerade begeistert etwas dazu sagen, dass es hier Hengstenbergmaterialien gibt, als auf einmal der Zwerg in einer Pfütze steht und total nass ist.

Ich bin mega verwirrt. Laufe zu ihm hin und merke, dass er keine Windel mehr anhat. Hab ich ihm etwa beim Wickeln keine angezogen???? Nein, sie ist im rechten Hosenbein und hat sich einfach nur gelockert.

Ich lasse mir von den Erziehern Tücher geben und wische alles weg, während die ganzen anderen Eltern mitleidig zugucken.

Zwerg ist sauer und schreit „Das war kein Pipiunfall, Mama!!! War kein Unfall!! Nein!!!“ Dann fängt er an zu weinen und ich fülle mit verzweifelten Kind auf dem Arm noch schnell eine Anmeldung aus, die vermutlich kein Mensch lesen kann und versuche, mich davon zu schleichen.

Eine andere Mama hält mich auf und bietet mir eine Wechselhose an („Ich hab ja immer was dabei!“ – äh ja, ich nicht…), was total nett ist, wenn auch eigentlich unnötig, da wir ja nur 5 Min zu Fuß weg sind, aber ich danke ihr, lasse mir schnell ihre Adresse geben und verschwinde in einem Schritt, der die Geher bei den Olympischen Spielen neidisch machen würde. Yoa, den Platz werden wir wohl eher nicht bekommen.

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