Mein Weg zurück ins Leben – Spendenaufruf – Adventskalender Tag 4

Heute habe ich einen sehr persönlichen Aufruf – ich werde heute 10% aller heutigen Einnahmen an das Radio Sonnengrau – spenden und würde mich freuen, wenn ihr bei ihrer Crowdfunding- Kampagne mitmacht. Das Radio Sonnengrau ist ein Webradio, welches über seelische Erkrankungen aufklärt. In diesem Video erzählen sie selber, was sie machen und vorhaben.
Warum gerade diese Organisation? Vor einigen Jahren bin ich an (damals leichten) Depressionen erkrankt – lange Jahre lang habe ich das leider nicht so richtig wahrhaben wollen. Ich habe mir gesagt:

“Es geht dir doch gut! Du hast doch alles, was du brauchst – was stellst du dich so an???”

und mich dann noch mehr dafür gehasst, dass es mir nicht nur oft gar nicht gut ging, sondern dass ich auch einfach gar keinen Grund dafür hatte und so (so sagte ich mir) charakterschwach war, dass ich das nicht mit “reiß dich mal zusammen” beheben konnte.

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Nordseeausflug während meines Klinikaufenthaltes in einer psychosomatischen Klinik
Ein eigentlich nur kleiner Schicksalsschlag sorgte dann zum völligen Zusammenbrechen meines mühsam aufgebauten Systems und mir wurde klar, dass nein – nicht jeder denkt doch ab und an an Selbstmord und weiß nicht, wie er/sie den nächsten Tag überleben soll – das ist definitiv doch nicht normal. 
Vielleicht hätte ich mir viele Jahre des Grübelns, des mich immer mal wieder selber Hassens erspart, hätte ich damals schon das  Radio Sonnengrau  gekannt und präventiv meinen Komplettzusammenbruch verhindern können. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, aufzuklären. Mut zu machen. Informationen zu verbreiten. Prävention gegen Suizide, Zusammenbrüche, schwere Depressionen.
Seitdem ich von Depressionen wieder geheilt bin, bin ich so so so dankbar für die Unterstützung, die mir in dieser Zeit von vielen Seiten zu teil wurde. Denn mit das Fieseste an der Krankheit ist ja, dass man sich so unglaublich gelähmt und antriebslos fühlt. Dass Hoffnung auf Besserung teilweise ein Wort ist, was man nur aus Geschichten kennt. Und wie soll man sich da noch Hilfe holen, wenn schon die Aussicht auf einen normalen Alltag wie Blei lähmt?
Vor allem, wenn die ersten Hilfsversuche normalerweise heißen, dass man bei Therapeuten anruft, die Einem mehr oder weniger gestresst mitteilen, dass man gerne auf eine Warteliste könne, aber doch besser woanders anrufe, denn in den nächsten 9 Monaten sei auf jeden Fall Nichts frei.
Wenn Hilfsversuche heißen, dass man vielleicht doch Einen der wenigen begehrten freien Therapieplätze bekommt und dann vielleicht auch weiß, warum dieser frei war – — weil man dann bei einer absoluten Flachpfeife sitzt.
Wenn man so sehr vor dem Abgrund steht, dass man weiß, dass einmal die Woche eine Stunde Jemanden vom Leben zu erzählen, nicht mal ansatzweise eine Änderung hervorrufen kann – da man die restlichen 167h der Woche kaum weiß, wo man die Kraft herkriegt, überhaupt Atem zu holen.
Ich war da. Ich war ganz unten.
Aber mir wurde geholfen. Und irgendwann war ich wieder soweit oben, dass ich mir selber und dann sogar Anderen helfen konnte.
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Kunsttherapiestunde
Immer mal wieder habe ich überlegt, wie ich der – hm  der Welt –  etwas zurückgeben kann – wie ich anderen Depressiven Mut machen kann, dass Hilfe möglich ist. Dass in den meisten Fällen ein glückliches Leben möglich ist – mir fiel nur nicht so recht etwas ein.
Bis ich vor wenigen Tagen den Spendenaufruf eines guten Freundes las. Thomas ist Einer der Menschen, wenn nicht sogar DER Mensch, der mich zurück ins Leben führte. In einem dreimonatigen Klinikaufenthalt lernten wir uns kennen und gegenseitig stützen. Wir halfen uns dabei, uns gegenseitig zu hinterfragen, wie ich mich noch nie hinterfragt hatte – schonungslos, aber gleichzeitig liebevoll und ehrlich.
Diese drei Monate haben mich tatsächlich zu einem neuen Menschen gemacht – danach war nicht sofort alles toll und auch später noch gab es so manche Wochen, wo ich mich stark auf erlernte Mechanismen besinnen musste, um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zu fallen. Aber zum Glück ging ich gut ausgestattet mit einem großen Skillkoffer und unendlich viel neu Gelerntem wieder zurück ins Leben der “Normalos”.
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Mein Klinikzimmer beim stationären Aufenthalt ganz am Ende der Zeit- fröhliches Chaos statt krass Leere
Und  Hand aufs Herz – wer mich kennt, meine ehrliche Fröhlichkeit und Begeisterungsfähigkeit liest und sieht – wer hätte erwartet, dass ich mal mit so schlimmen Depressionen gekämpft habe?
Es kann uns alle treffen. Entweder uns selber oder liebe Freunde und Angehörige. Es ist nicht möglich, sich dagegen zusammenzureißen, genausowenig wie man sich gegen eine schwere Grippe zusammenreißen kann. Und es ist verdammt noch mal Zeit, dass diese Krankheit kein Tabuthema mehr ist.
Ihr könnt alle dabei helfen – Das Radio Sonnengrau kann eure Spenden gebrauchen – und wenn es pro Person nur ein paar Euro sind! Im kommenden Jahr wollen sie sich ganz besonders dem Thema Prävention in allen Altersklassen und Kinder- und Jugenddepressionen widmen, ihnen fehlt aber noch das nötige Budget für dieses wichtige Thema.
Kommt das Geld überhaupt an? Was ist denn das für ein Radio? Nicht nur kann man auf ihrer Webseite sehen, dass sie von renommierten Förderern, Auszeichnern und Fans nur so wimmelt – auch kenne ich Einen ihrer Mitarbeiter persönlich. Besagter Thomas, der mich damals wieder ins Leben hievte, ist Einer der Hauptmitarbeiter bei diesem Radio. Und wenn ich mir über eins im Leben sicher bin, dann darüber, dass das, was er in Zusammenhang mit dem Thema seelische Erkrankungen anfasst mit vollem Herzen, mit ganzer Kraft und mit gesammeltem Herzblut macht. Hier geht keine Spende verloren, sondern potenziert sich in einem wichtigen und richtigem Projekt.
Ich werde von allen Verkäufen heute 10% der Einnahmen an das Radio Sonnengrau spenden und freue mich über jeden/jede, die mitmacht – ob über einen Kauf oder eine Direktspende.
Zudem freut sich das Radio Sonnengrau natürlich auch über Aufmerksamkeit – jedes Like auf ihrer Facebookseite    oder ein Teilen dieses Spendenaufrufposts ist dabei auch eine winzigkleine Extrahilfe.
Und wer Fragen zum Thema Depressionen und/oder Klinikaufenthalt in einer psychosomatischen Klinik hat: Immer her damit! Ich teile meinen Erfahrungsschatz gerne!
Danke fürs Lesen, Teilen und Kommentieren!

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6 Idee über “Mein Weg zurück ins Leben – Spendenaufruf – Adventskalender Tag 4

  1. Jana sagt:

    Liebe Claudia, danke für diesen tollen und bewegenden Artikel!
    Er lässt mich an ein Projekt denken, das ich schon lange im Kopf habe, aber leider irgendwann nicht weiter verfolgt habe.
    Die Seite von Radio Sonnengrau habe ich mir angeschaut. Auch da – toll, dass es sowas gibt. Ich werde den Link gerne weitergeben.
    Danke für Deine Fröhlichkeit, Deine Hilfbereitschaft und Deine Ehrlichkeit! 🙂

  2. Ulrike sagt:

    liebe Claudia, dein Bericht hat mich sehr bewegt, ich möchte dir für deinen Mut und deinen herzlichen Apell danken! Das ist so toll von dir 🙂 liebe Grüße von Ulrike und weiterhin alles Gute für DICH und Danisch pur!!!

  3. Stephanie sagt:

    Liebe Claudia, vielen Dank für den schönen Beitrag mit den schönen Bildern und Deinen Mut, ich hoffe, es ist alles gut bei Euch!

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