Mit Kleinkindern reisen

Mittlerweile sind wir drei schon recht reisegeübt, auch wenn uns unser Sabbatical noch einmal vor eine ganz neue Herausforderung stellen wird.

Am Ende des Sabbaticals werde ich den Beitrag noch einmal hervornehmen und ergänzen oder ändern – aber jetzt gibt es erst einmal meine Tipps aus den normalen Alltagsreisen

Gerne reisen

Generell bin ich nicht unbedingt ein Fan von der Aussage, dass gestresste Eltern gestresste Kinder bedeuten, weil es im Umkehrschluß auch die Anschuldigung bedeutet, dass Eltern selber schuld sind, wenn ihre Kinder unruhig und unglücklich sind.

Das ist zwar manchmal der Fall, aber gerade bei Babies gibt es auch Eltern, die gelassen, ruhig und geduldig sind und dennoch mit einem Schreibaby geprüft werden.

Dennoch ist es sicher richtig, dass Kinder mit ihren feinen Antennen die Stimmung der Eltern aufpicken.

Wenn ihr gerne reist, kleine Reisemißgeschicke, Verspätungen und spontane Planänderungen euch nicht aus der Bahn werfen und ihr spontan aus nicht optimalen Bedingungen noch ein Spiel machen könnt — dann braucht ihr den Rest des Artikels kaum noch zu lesen. Euer Trip wird knorke.

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Tempo verringern

Was man vorher in einem Tag geschafft hat – dafür braucht man jetzt drei. Und erlebt gleichzeitig so viel mehr!

Pausen

Plant Pausen ein – einfach nur zum Sitzen auf der Parkbank, andere Leute beobachten, Batterien aufladen und einen kleinen Snack essen, den ihr bei euch habt (ich liebe dafür diese zuschraubaren Becher*, die ich seit Beikoststart benutze.

Unbefüllt nehmen sie nicht viel Platz weg. Aber für Snacks für Tagesausflüge sind sie super geeignet, weil sich die einzelnen Sachen nicht vermischen und man immer wieder was Neues aus dem Rucksack zaubern kann.

Empfehlenswert dabei sind dann nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch kleingeschnittene Brothäppchen, Salzbrezelgebäck oder Trockenfrüchte.

Spiele

Sind andere Kinder in eurer Unterkunft und euer Kind/eure Kinder fangen an, mit diesen Fangen und Verstecken zu spielen? Dann verschiebt den geplanten Aufbruch einfach noch eine Stunde und habt danach ein glückliches, ausgetobtes Kind, was auch eine längere Busfahrt gut mitmacht.

Habt ihr ein Swimmingpool oder einen Spielplatz bei eurer Unterkunft? Dann verbringt doch einfach mal einen halben oder ganzen Tag da und genießt auch mal wieder gepflegte Langeweile.

Vernünftig packen – Spielzeug und Bücher

Es ist unsinnig und unmachbar, viel Spielzeug und viele Bücher mit auf eine lange Reise zu nehmen.

Sucht euch ein paar Spielsachen aus, die leicht sind und die versatil sind. Klassiker sind natürlich Malstifte – Papier kann man fast überall bekommen. Außerdem nehme ich gerne 2-3 Seiten laminiertes Papier mit und abwaschbare Folienstifte, so dass immer wieder neu gemalt werden kann.

Das laminierte Papier kann dabei auch bereits Zeichungen enthalten, die zum Ausmalen anregen.

Puzzle o.ä. ist nicht wirklich sinnvoll. Geht ein Teil verloren, ist der Rest quasi unbenutzbar.

Der Zwerg spielt gerne, viel und sehr ideenreich mit Haba Holzobst*
– aber das ist einfach zu schwer für eine lange Reise.

Hier ist selbstgemachtes Filzspielzeug eine gute Alternative, die wenig wiegt und ohne zu großes Bedauern auch weggeschmissen werden kann, wenn es dreckig oder uninteressant wird.

Ansonsten kann man fast Alles zum Spielzeug machen – Steine, die man auf dem Weg findet sind dann ein Steak, was man grillen möchte,

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Stöcke lassen sich abwechselnd als Peitsche für das imaginäre Pferd oder zum Hindernisbau verwenden und in gemieteten Apartments gibt es kaum etwas Spannenderes für ein Kleinkind als Haushaltsgegenstände.

Bücher sind für uns ein größeres Problem, da der Zwerg die riesengroßen gebunden Bilderbücher am Meisten liebt.

Wir werden allerdings eine Sammlung von etwa 10 Maxi-Pixi* Büchern mitnehmen, so dass wir etwas Auswahl haben und zudem einige Kinderbücher zum Vorlesen auf unseren Ebookreader tun.

Bisher hat der Zwerg für reine Vorlesebücher noch keine ausreichende Konzentration, aber vielleicht haben wir ja Glück und das passiert in den nächsten 3-4 Monaten!

Ansonsten ist der Plan, die Bücher ab und an auszutausche. Bei den PixiBüchern werden wir nicht zu todtraurig sein, wenn wir eins weiterverschenken und uns dafür ein neues besorgen.

Zudem gibt es in vielen Travelerunterkünften auch eine kleine Bibliothek – hier hoffen wir auf Abwechslung!

Sei albern

Man kann aus fast Allem ein Spiel machen. Wenn sich das Kind nicht die Zähne putze lassen will, geht man auf eine gefährliche Monsterjagd. Will es sich nicht wicklen lassen, redet die Windel auf das Kind ein und spielt mit ihm verstecken. Man kann ein Wettrennen machen, wer als Erster an der Parkbank ist, wenn das Kind nicht mehr weitergehen möchte. Man spannt die Lieblingspuppe oder das Lieblingsstofftier ein und spricht mit verstellter Stimme – hej, sogar der Briefkasten, die Straßenlaterne oder der Einkaufswagen können mit Kindern sprechen, wenn es denn die Situation erfordert. Als Eltern verliert man da jede Scham. 😉

Es klappt nicht immer, aber oft genug ist dies der Schlüssel zum Erfolg von einem Nölekind zu einem kicherndem Kind zu kommen.

Wenn ihr denn also z.B. in einer langen Warteschlange steht, dann fragt euch – müsst ihr da wirklich ALLE stehen oder kann ein Erwachsener die Ruhe beim Warten genießen und der Andere spielt Fangen?

Kinder lieben es zu Klettern – fast alles und jedes bietet sich für einen Kletterparcours an. Kletter einfach mit, hüpfe über kleine Hindernisse oder  – je nach Schwierigkeitsgrad – stehe daneben, um Hilfestellung zu leisten, wenn diese gewünscht ist.

(Dabei ein Sicherheitstipp: Halte nie das Kind fest, sondern laß es sich festhalten. Zwinge ihm nie die Hand auf, aber halte bei gefährlichen Situationen die Arme so, dass du es jederzeit auffangen kannst. Unfälle passieren eher, wenn panische Eltern das Kind festhalten und es dann sein natürliches Gleichgewicht verliert.)

Erkunde mit dem Kind die Wartehalle, kaufe vielleicht einen winzigen Snack, mach ein Wettrennen oder denke dir kleine Aufgaben aus.

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Hier auf dem Foto z.B. sieht man den Zwerg, der sage und schreibe 43 Minuten damit beschäftigt war, kleine Zweige aufzusammeln, die man durch das winzige Loch in den Baustellenabsperrungspfosten fummeln kann.

Und dann tausche mit der Warteperson.

Vorbereitungen

Auch schon 1,5 oder 2-jährige können hervorragend auf solche Reise vorbereitet werden.

Je älter sie sind, desto mehr können sie nicht nur passiv den Vorbereitungen und Erklärungen folgen, sondern sich auch aktiv in die Planung mit einbeziehen.

Unser Zwerg hat z.B. einen kleinen Kinderrucksack, den er selber tragen wird. Hier müssen wir als Eltern darauf achten, dass der Inhalt extrem leicht ist. Aber allein schon aus auswählen aus 4 Matchboxautos, wird ihn in den Prozess des Packens und Reisens mit einbeziehen.

Seit einigen Wochen ist dieses Buch* das Lieblingseinschlafbuch vom Zwerg. Hintergedanke bei mir ist dabei natürlich auch, dass er dabei viele Tiere kennenlernen wird, die er dann auch bei der Reise kennenlernen wird und die Vertrautheit dann bei ihm Freude hervorruft.

Auf auf den Flug bereiten wir ihn schon eine ganze Weile vor (dazu in einem späteren Post über das Fliegen mit Kind).

Erinnerungen

Nicht nur du wirst an die Reise Erinnerungen haben, hoffentlich auch dein Kind.

Viele Eltern empfehlen, dem Kind eine billige Digitalkamera zu vererben, so dass dieses selbständig die Reise fotographieren kann. Ob wir das auch machen – da sind wir noch unentschieden. Grundsätzlich hat die Idee aber schon ihren Reiz.

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Wir werden hier auf dem Blog unsere Erinnerungen festhalten – eine Idee ist es aber auch, den Zwerg an vielen Reisepunkten eine Postkarte aussuchen zu lassen, die er dann abends vollmalen kann oder wo er uns seine Reisegedanken diktieren kann, die dann sein Reisetagebuch sind. Vorteil – man kann dann die Postkarten, wenn sie bei ca. 10 Stück angekommen sind, in einem Umschlag nach Hause schicken. Weniger Gepäck, es zerknickt nicht und die Oma, die sie in der Zwischenzeit dann aufbewahren darf, freut sich über einen Gruß ihres Enkels.

 

Unterkunft

Zentrale Unterkünfte sind manchmal teurer, aber sie bewirken, dass du nicht erst morgens einen langen Anreisemarathon vor dir hast, bevor du an der Stelle bist, wo du hin möchtest und deine Kinder schon vollkommen am Ende sind.

Suche daher möglichst etwas, was in einer sicheren und zentralen Stelle ist und wo es möglichst nahe Supermärkte oder andere schnelle Essensoptionen gibt, sowie einen großen Park, den Strand oder Ähnliches.

Wenn ihr irgendwo länger bleibt, dann ist auch eine Apartmentmiete eine gute Idee. So etwas ist oft schon bei 3-4 Tagen Aufenthalt möglich und gibt den Kindern auch wieder etwas normale Tagesroutine.

Auszeiten

Hier haben wir mehr oder weniger regelmäßige Auszeiten für beide Elternteile. Der Traummann geht einmal die Woche mit dem Zwerg zum Schwimmen. Der „Männertag“, wie er freudig getauft wurde, ist ein Highlight der Woche für die Beiden. Dort treffen sie noch einen Freund des Traummanns und seinen kleinen Sohn, der etwas jünger ist als der Zwerg.

Oft kriegen wir den Zwerg nachmittags kaum aus der Krippe raus, weil er noch etwas spielen möchte – am Männertag hat er schon jeder Erzieherin erzählt, was heute auf dem Programm steht und rast gleich zum Zaun, wenn er seinen Papa sieht.

Der Traummann geht einmal die Woche Fußball spielen, spielt immer wieder bei Schachturnieren mit oder verbringt auch mal einen halben Tag mit Lesen im Bett.

Wann immer möglich halten wir uns gegenseitig den Rücken frei, damit Jeder von uns auch mal die Ruhe genießen kann und seinen eigenen Interessen nachgehen kann.

Auch beim Reisen tut es gut, wenn man mal nicht nur ein Elternteil ist, sondern sich einfach mal mit dem Ebookreader 2h in ein kleines gemütliches Café setzen kann oder eine Thaimassage genießen kann, während der andere Elternteil mit dem Zwerg auf Abenteuertour ist.

Diese kleinen Alltagsfluchten sorgen dafür, dass man sich wieder mehr aufeinander freut – es ist unglaublich, wie schnell man so ein kleines Kind vermissen kann, auch wenn es Einem vielleicht eine Stunde vorher mit einem -nennen wir es politisch korrekt Autonomiephasenanfall – auf die Eier gehen konnte. 🙂

Respekt und Geduld

Eine weitere Grundregel im Umgang mit Kindern. Vieles strömt einfach auf Kindern ein, ohne dass sie ein Mitspracherecht haben.

Wir haben einfach entschieden, dass wir uns jetzt auf eine Weltreise aufmachen und der Zwerg muss mit, ob er will oder nicht.

Dann ist es aber auch unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, dass wir auch seine Bedürfnisse respektieren, seine Müdigkeit durch einen Jetlag, seine Unsicherheit bei fremden Gerüchen und seltsamen Klängen durch eine neue Sprache, seine Überforderung aufgrund der vielen neuen Eindrücke.

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Es ist nicht immer einfach, wenn wir selber müde sind und es vielleicht sogar eilig haben, aber wir müssen versuchen, uns daran zu erinnern, unseren Kinder Respekt entgegen zu bringen und darauf zu vertrauen, dasss sie sich nicht daneben benehmen wollen, sondern gerade einfach überfordert sind, wenn es dann zu Meinungsverschiedenheiten kommt.

Ich denke dabei immer an Alfie Kohn* – unterstellen deinem Kind das beste mit den Tatsachen vereinbarende Motiv für sein Verhalten.

 

 

 

 

 

 

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Eine Idee zu “Mit Kleinkindern reisen

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