Wolle Seide Händlerin – die ersten Tage

Die letzten Tage ist mein Leben noch turbulenter und voller geworden als es eh schon ist.

Vorgeschichte

Es ist ja eigentlich keine Überraschung gewesen, dass der wunderbare traumhafte Streichelstoff (hach, *glücklich seufz*) irgendwann bei mir eintrudeln wird, aber irgendwie war ich etwas stocksteif und zurückhaltend in den Vorbereitungen, bevor es wirklich so weit war.
Das ist mir aber so richtig erst jetzt aufgefallen, als ich in den letzten 2 Wochen in wahnsinnigen Aktionismus verfallen bin und das (fast) Alles mit Dingen, die man theoretisch auch schon vorher hätte machen können.
Aber irgendwie habe ich dem Braten nach den laaaannnnngggeeeeennnnnn Vorbereitungen einfach nicht mehr so richtig getraut. Zweimal war ein sehr hoffnungsvoll anmutender Kontakt doch noch in die Brüche gegangen, dann endlich die Stoffproben, Zahlung, angekündigte Produktion…. alles dauerte länger als ursprünglich angedacht…
und dann verschob sich das Produktionsende und die Lieferung doch noch von angekündigt “vielleicht schaffen wir es vor Weihnachten” auf Mitte/Ende Januar.

Alles gut – das Warten hat sich gelohnt. Nicht nur ist der Stoff endlich da, sondern er ist sogar noch viel schöner, als ich vorher zu träumen gewagt hatte.

Tag 1 nach Beginn meiner neuen Zeitrechnung

Nachdem sich die Lieferung der Spedition noch dreimal nach hinten verschoben hatte “Wissen Sie, der Schnee in Bulgarien…”
rief ich also erneut den Traummann an, um nach dem Stand der Dinge zu fragen und er meldete sich mit “Wolle Seide Stofflager Hannover?” – da fiel mir erstmal ein dicker Stein, achwas, ein dicker Findling vom Herzen.

Ich saß noch im Büro fest, radelte dann aber so schnell wie möglich nach Hause, denn mehr als: “Ist ne Riesenpalette und alles in Plastik!” konnte mir der Traummann nicht sagen.

Da stand sie also – die Lieferung. Formschön (oder auch nicht) eingeschweißt in Plastik. Vor der Treppe. Und ich mit einem Traummann, der mit einem grippalem Infekt gesegnet war und darum nicht der Bestimmung des Ehemanns nachgehen konnte, mich und meine Stoffeinkäufe auf Händen zu tragen.
Zum Glück bin ich muskulöser als ich aussehe und schaffte es tatsächlich, 9x eine >20kg Rolle die Treppe hochzuschleppen und in unser Regal zu hieven.

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Drei Rollen trug ich dann gleich zum anschneiden ins Nähzimmer. Und musste tatsächlich erstmal ein paar Glückstränen unterdrücken. Ich war so so so erleichtert, dass der Stoff GENAU so war, wie ich ihn mir erhofft hatte – ach was, noch viel toller, als ich je zu träumen erhofft hatte!
Klar – ich hatte vorher Stoffproben bekommen und den genauen Farbton auf Pröbchen gesehen – aber es ist nochmal was GANZ anderes, den Stoff dann wirklich in seiner vollen Schönheit zu sehen, als auf einem 4x4cm^2 Stückchen.

Beim ersten Anschneiden war ich vermutlich nervöser als jeder angehende Chirug bei seiner allerersten OP. “The first cut is the deepest, baby I know…” – aber zum Glück konnte ich das nicht lange vor mir herschieben, denn ich hatte ja schon so einige Vorbestellungen in petto, wo ich die lieben Mädls schnellstmöglichst beglücken wollte.

Die Enjungfernung

Hierbei hatte ich zwei Dinge unterschätzt – einmal, dass 1,55 in voller Breite auf Rollen gewickelt ECHT BREIT ist und zweitens, dass der Anfang der Rolle nicht gerade ist.
Was für die allerallerersten Kunden dann aber sogar ein Vorteil war, da ich dann den unregelmäßigen Teil einfach als Danke fürs Vertrauen und “Ich freu mich auch so sehr!” als Gimmick mit 20 extra Zentimetern dazugeschenkt habe.

No Gos beim Stoffverkauf

Es gab ohnehin so einige Dinge, die ich mir vorher überlegt hatte, bzw aus Brainstorming mit Bekannten gezogen hatte –

  • ein absolutes und nicht wieder gutzumachendes No Go beim Stoffverkauf ist auf jeden Fall, weniger cm von einem Stoff zu bekommen, als man bestellt hat. Vor allem natürlich bei so einem Luxusstoff wie Wolle Seide.
    Also werden beim Abschneiden ohnehin gleich mindestens 5cm mehr dazugegeben, um auf keinen Fall zu wenig zu haben.
  • Ausgebleichter Stoff – zum Glück bei mir kein Problem, da der Stoff abgedunkelt lagert.
  • Gerüche oder Tierhaare – Tiere haben wir nicht, der Lagerraum ist eh geruchslos und durch die Lehmfarbe nochmal reiner als ohnehin schon.

Das einzige No Go, was ich nicht ganz verhindern konnte, war ein nicht komplett gerade Schnitt. Durch ein (mittlerweile gelöstes)Platzproblem, konnte ich den Stoff einfach nicht weit genug ausrollen, um sofort am Stück mit dem Rollschneider abzuschneiden und musste immer wieder neu ansetzen, was man beim Schnitt leider auch sah.
Dieses Problem ist mittlerweile behoben, indem wir unser Wohnzimmer leicht umgeräumt haben. Zudem werde ich mir sobald wie möglich einen Zuschneideklapptisch in gigantische Größe schreinern.

Wie ging es weiter?

Die erste Nacht konnte ich tatsächlich vor lauter Aufregung nicht schlafen. Verrückt. Ich habe ja ein Kleinkind zu Hause und kann daher eigentlich quasi IMMER schlafen, wenn es die Gelegenheit gibt.
Aber ich war noch voller Adrenalin und —– ich hatte tatsächlich einen Teil des Stoffes mit in mein Bett genommen, um ihn die ganze Nacht mit halb zärtlichem/halb debil glücklichem Gesichtsausdruck zu streicheln. Einfach nur wunderbar.

Die ersten Verkäufe

Die Vorverkäufe haben mich auch total gefreut und hibbelig gemacht. Diese gingen aber hauptsächlich an Leute, die ich irgendwie, über 5 Ecken kannte und waren damit für mich auch nicht so der wirkliche Test, ob der Stoff auch in der “wahren Welt” ankommen würde.
Als dann die allerersten SMSe über verkauften Stoff bei Dawanda eintrudelten, guckte ich so:

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und feierte jeden halben verkauften Meter mit dem Traummann – und was soll ich sagen?

Auch, wenn die Verkäufe langsam immer weiter reintröpfeln und jede SMS vielleicht nicht mehr so außergewöhnlich ist – ich gucke immer noch so und mache gedanklich einen kleinen Freudentanz!

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2 Idee über “Wolle Seide Händlerin – die ersten Tage

  1. Mone sagt:

    Der Stoff sieht auf den Bildern schon sooo toll aus, wie mag der sich dann wohl anfühlen? Ich kenne Wolle-Seide-Gemisch ja, zu meiner Schande, nur von meinen Stilleinlagen. Ich wage dennoch aber mal zu behaupten, dass das ein mit dem anderen wohl eher wenig zutun hat, oder?

  2. cdanisch sagt:

    Die Stilleinlagen wiederrum kenne ich nicht.

    Der ist unglaublich weich und fließend. Total dehnbar in die seitwärts Richtung und ganz fest in die oben/unten Richtung. Ganz faszinierend – so beult er sich auch nicht aus, sondern bleibt ganz toll in Form.
    Und durch dieses ganz weiche fließende, macht er ne super Figur. Der Zwerg ist ja eher Richtung Moppel und der Traummann meinte heute schon ganz erstaunt: Mensch sieht DER in seinem Hemd schlank aus!!
    Alleine deswegen werde ich mir ganz viele Oberbekleidungsteile daraus nähen! 😀

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