Wolle/Seide färben

Die Frage, ob man Wolle/Seide färben könne und wie, tritt in meiner Facebookgruppe immer wieder auf. Also habe ich mich mal wieder auf ewige Recherche begeben (wenn ich was mache, dann immer gleich übertrieben genau, deswegen musstet ihr so ewig warten 😮 ). Ich habe dabei aber auch gemerkt, dass ich mit Internetrecherche und Eigenversuchen nicht so weit komme, dass ich euch einen umfassenden Einblick geben kann. Dazu ist es einfach ein “zu weites Feld”, um mal mit Fontane zu kommen. Das hier ist eher ein kurzer Abriß.
Gründe für eine Färbewunsch sind erstmal vielfältig. Vielleicht ist auf www.danischpur.de nicht deine Traumfarbe dabei. Oder du willst einen Marmeladenfleck verbergen. Aber wie geht man es am Besten an?

Grundsätzlich gibt es erstmal gute Neuigkeiten – Wolle und Seide per se eignen sich gut zum Färben mit Naturfarben, viel besser als beispielsweise Baumwolle (was mich erstmal (da vorher völlig unwissend) erstaunt hat). Das ist auch der Grund, warum es zwar viele Hersteller mit bunter Kleidung aus Bio-Baumwolle gibt – die dann aber nicht weiter zertifiziert werden, da der nächste Schritt – die Färbung – dann also wieder synthetisch und nicht nach strengen ökologischen Regeln erfolgt.
 

Doch die neue Buntheit bei Naturtextilien (Baumwolle und Co) hat einen Haken: Sie kommt noch nicht ohne synthetische Farbstoffe aus. Knallige Farben wie Orange, Rot oder Gelb sind mit pflanzlichen, tierischen oder mineralischen Färbemitteln nicht herzustellen. Außerdem hat bislang kein Färber ein Patentrezept gefunden, um die Zellulosefasern Baumwolle und Hanf mit natürlichen Substanzen so einzufärben, daß sie den gewohnten Qualitätsstandards für Wasch- und Lichtechtheit entsprechen. Dafür müßte man die Ökofarben mit zinn-, chrom-, kupfer- oder quecksilberhaltigen Beizen fixieren. Die Verwendung solch giftiger Schwermetalle aber verträgt sich nicht mit den Ansprüchen der Hersteller und Verbraucher. Immerhin gibt es für Wolle und Seide seit einigen Jahren natürliche Färbemethoden, die sowohl umweltschonend als auch qualitativ hochwertig sind. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/16312734 ©2017

Wolle und Seide lassen sich aufgrund ihrer Faserstruktur leichter färben als Baumwolle und Co. Aber auch hier muss man Einiges beachten, um auch länger Freude an den Farben zu haben. Dieser Punkt ist die bereits im obigen Zitat angesprochene sogenannte Beize.
Mit dem Thema Beizung habe ich mich sehr lange aufgehalten, daher ist dieser Absatz ellenlang – da hier die Details vielleicht weniger von Interesse sind als die verschiedenen Färbeverfahren, habe ich den Absatz übers Beizen ganz ans Ende gestellt – denkt aber beim Färben daran, dass ihr bei den allermeisten Verfahren (ZUERST) beizen müsst. 😉

Natürlich vs synthetisch

Nun habe ich hier in dem Artikel sowohl Färbungen mit Naturmaterialien als auch mit synthetischen Färbemitteln vorgestellt. Wie immer ist nämlich das Thema viel komplexer, als ich gedacht habe.

Nur weil etwas “natürlich” ist, heißt noch lange nicht, dass es auch nicht toxisch ist oder zu Hautirritationen führt.
Und nur weil etwas synthetisch ist, muss es insgesamt betrachtet nicht umweltschädlicher sein.
Je mehr ich in das Thema eingestiegen bin, desto mehr habe ich aber auch festgestellt, dass selbst meine wochenlange Recherche nicht ausreicht, ob das umfassend zu beantworten. Ich bin aber mal wieder sehr froh, dass meine Stoffe nach dem GOTS Standard hergestellt sind, die auch die Färbung mit starren Grenzwerten überwachen, denn teilweise führten meine Recherchen mich auch zu echt unappetitlichen Dingen, was manche Färbemethoden beim direkten Tragen auf der Haut für Schäden anrichten können (fruchtschädigend, krebserregend etc und co) bzw wie herkömmliche Färbemethoden Tonnen und Abertonnen von kostbarem Trinkwasser verschmutzen können.
Wer sich genauer dafür interessiert, warum einige sehr auf Natur und Umweltschutz achtende Menschen, sogar synthetische Färbemethoden den natürlichen hervorziehen, dem kann ich zwei Artikel auf diesem Blog sehr empfehlen (Achtung, auf Englisch)
Felix Meier, Leiter Konsum und Lebensstil beim WWF Schweiz sagt sogar, dass die eigene Färbung meist umweltschädlicher als als industrielle Färbung, da Farbmittel nicht richtig ausgenutzt werden und unsere Kläranlagen nicht auf Färbemittel ausgelegt seien.

“Es ist ökologischer, ein Kleidungsstück, das farblich nicht mehr gefällt, zu verschenken. Wer unbedingt selber färben will, sollte Naturfarben bevorzugen.» Dafür eignen sich unter anderem Krapp (rot), Heidekraut (gelb), Cochenille (rot bis violett), Zwiebel- (gelb) und Baumnussschalen (braun). Naturfarben gibts unter anderem in der Drogerie. Sie eignen sich aber nur für Naturfasern, speziell für Wolle und Seide. Tipp: Stoff vor dem Färben mit Alaunsalz beizen.”

Mein verworrenes Fazit

Ich für mich habe daher den Schluß getroffen, wenn ich überhaupt und trotz allem selber färben möchte, dann nur noch mit Naturfarben zu färben, da ich selber nicht in der Lage bin, mein Abwasser entsprechend zu kontrollieren. Ich habe aber auch gelernt, dass, wenn industriell mit strengen Richtlinien, z.B. nach GOTS, synthetisch gefärbt wird,  dass dies in vielen Fällen tatsächlich die insgesamt bessere und umweltfreundlichere Lösung ist.

Zudem gibt es aber Fälle, wo es sicherlich umweltfreundlicher ist, ein paar Kleidungsstücke zu färben, anstatt sie wegzuwerfen (Himbeerflecken auf dem tollem Wolle/Seide-Hemd oder Ähnliches). Hier ist also insgesamt eine Kosten/Nutzen/Umweltanalyse im Einzelfall nötig.
Und man muss zusätzlich im Hinterkopf haben, dass “natürlich” nicht immer automatisch umweltfreundlich und hautschonend bedeutet. Wenn man also für Babys oder Menschen mit empfindlicher Haut färbt, dann würde ich bei jeder Naturfarbe dazu auch nochmal extra recherchieren.
Der Guardian schreibt dazu:

“Colours derived from plants may appear more planet-friendly than man-made dyes, but the case isn’t clear-cut”

(Farben, die aus Pflanzen gewonnen werden, mögen umweltfreundlicher scheinen als künstliche Färbemittel, aber die Ergebnisse hierzu sind nicht eindeutig.”)
https://www.theguardian.com/sustainable-business/sustainable-fashion-blog/2015/mar/31/natural-dyes-v-synthetic-which-is-more-sustainable
Hier wird allerdings vor Allem damit argumentiert, dass man für die Herstellung von Naturfarben exorbitanten Mengen an Ackerfläche und Wasser braucht, da sehr viel Grundmaterial benötigt wird, um Naturfarben herzustellen. Bei der eigenen Küchenherstellung mit z.B. Zwiebelschalen, die aus Küchenresten entstanden sind, ist das natürlich kein Argument.
Keycolour hingegen spricht auch davon, dass manche Naturfarben auch in der Anwendung nicht immer ohne sind:

Harmful Effects – Natural dyes can also be harmful to some extent. Logwood has ingredients, hematein and hematoxylin, that can be have harmful effects when inhaled, ingested, or absorbed through the skin. Bloodroot, another natural dye source, can cause irritation and inflammation when inhaled.

(Naturfarben können teilweise schädigend sein. Der Johannisbrotbaum, beispielsweise, hat Inhaltsstoffe (Hämatin und Hämatoxylin), die den Menschen schädigen können, wenn sie eingeatment, gegessen oder durch die Haut absorbiert werden. Kanadisches Blutkraut, eine andere Quelle für Naturfarben, kann Irritationen und Entzündungen hervorrufen, wenn es eingeatmet wird. )

Eigene Färbeversuche – Grundsätzliches

Ich habe stets im Topf gefärbt und nicht in der Waschmaschine.
Grund: Meist werden Temperature von 60 oder 80° empfohlen, was natürlich jeder Empfehlung für Wolle/Seide widerspricht. Dabei geht es meist gar nicht um die hohe Temperatur an sich, sondern, dass WS die starken Temperaturschwankungen nicht mag und zudem am Liebsten in warmen/heißen Wasser nicht so viel herumgeschleudert werden möchte.
Im Topf kann man das Färbewasser langsam erhitzen und immer mal wieder vorsichtig durchrühren.

Naturprodukte zum Färben

Die Möglichkeiten sind ellenlang – gute Listen zum Ideen geben findet man unter den beiden folgenden Links:
Pioneerthinking
Woolery
Hier ist auch noch ein Beispielartikel mit mehreren unterschiedlichen Naturmaterialien Versuchen bei 100% Merinowolle.

Meine Färbeversuche

  1. Simplicol
  2. Livos Pflanzenfarben
  3. Zwiebelschalen
  4. Avocado (Fernversuch)
  5. Seidenmalereifarben
  6. säurebasierte Naturfarbe (Acid Dyes)
  7. Ostereierfarben (spezielle Art der Acid Dyes)
  8. Solarfärben (Fernversuch)

1. Simplicol

Als Allererstes habe ich etwas gemacht, was eigentlich zur Schnappatmung führen sollte… ich habe ein Kleid mit simplicol Textilfarben für Wolle und Seide gefärbt.
Bei Simplicol wußte ich, dass die Farben an sich gut sind – getestet in Waschmaschine und mit Baumwolle beim upcycling.
Wie es mit Wolle/Seide dann läuft, war mir nicht klar, da ich dort im Kochtopf färben wollte.  Insgesamt ist es natürlich schon etwas schwachsinnig, sich einen teuren Biostoff zu gönnen, der extra natürlich und schadstoffarm gefärbt ist und dann eine wirklich konventionelle Farbe draufzuknallen, die auch nicht von GOTS und Co zertifiziert ist.
Aber ich muss ja gestehen, dass das Färbeergebnis grandios ist und die Färbung insgesamt sehr einfach war.
Hier ist das gefärbte Kleid – ich hatte es zunächst genäht und dann gefärbt, was auch eher ein Anfängerfehler ist – die Nähfäden färben sich nämlich nicht mit! Zum Glück gab es kaum sichtbare Stellen mit Faden, so dass dies hier kein Problem war – aber als Tipp an euch: ERST Stoff färben, DANN nähen.

Der Stoff ist absolut gleichmäßig gefärbt. Bisher bleicht auch Nichts aus und die Farbe ist wunderschön. Eigentlich also perfekt, wenn es halt irgendwie wenigstens so ein bißchen mehr bio wäre. Tja. Also weiter im Konzept.
 

2. Livos Pflanzenfarben

Als ich von den Pflanzenfarben von Livos für Wolle und Seide las, war ich total begeistert und plante schon, diese auch in meinem Shop mit anzubieten. Das Problem an so Färbungen wie Holunder, Walnuß, Zwiebelschale etc sah ich nämlich daran, dass es bei jedem leicht anders aussieht – ich hatte Sorge, Jemandem etwas zu empfehlen, die dann hinterher ganz enttäuscht ist, den teuren Stoff ruiniert zu haben, weil es bei ihr total anders aussieht.
Bei diesen Pflanzenfarben sei das bestimmt weniger der Fall, dachte ich.
Das mag auch sein – ich aber zumindest war vom Färbeergebnis nur bedingt angetan. Trotz immer wieder beharrlichem Rühren wurde das Färbestück leicht ungleichmäßig und fleckig. Auch die Anleitung fand ich nicht besonders gut -so wurde die alternative Topffärbung  meiner Meinung nach auf dem Merkblatt nicht gut beschrieben. Ich habe nach wie vor keine Ahnung, wie viel Wasser ich eigentlich hätte verwenden sollen – auf dem Merkblatt stand etwas von 7,5l für kräftigen Farbon, was wohl eher auf die Waschmaschine gemünzt war. Aber im Topf? Letztendlich habe ich es nach Gefühl gemacht und fand die Farbe dann doch nicht kräftig genug (obwohl bei dem verwendeten Stoffgewicht eine kräftige Farbe versprochen worden war).
 
D.h., mein schlechtes Ergebnis liegt vielleicht auch schlicht an Anwendungsfehlern – begeistert bin ich aber wirklich nicht. Leider. Denn eigentlich war sonst die Färbung vergleichsweise komfortabel. Bei den WS-Farben von Livos sind nämlich auch die Salze schon im Farbpulver mit drin (im Gegensatz zu ihren Farben für andere Materalien, wo zuerst gebeizt werden muss), was die Arbeitsschritte ja noch zusätzlich verkürzt.

3.Zwiebelschalen

Jetzt nähern wir uns dem Eingemachten. Es wird so richtig alternativ und bio und so, wie ich das am Liebsten wollte, aber mich auch erst nicht traute – färben mit wirklichen Naturmaterialien.
Irgendwie konnte ich mir aber gar nicht vorstellen, wie das mit diesen unscheinbaren Zwiebelschalen wirklich funktionieren kann – sammelte aber eifrig über Wochen jede anfallende Schale, bis ich eine große Schüssel voll hatte. Die Zwiebelschalen wurden dann in einen großen Topf mit Wasser gegeben und ca. 2h lang geköchelt. Dann wurden die Zwiebelschalen mit einem Sieb entfernt und das aufgefangene Wasser wieder auf Raumtemperatur abgekühlt, bevor dann das vorher gebeizte Stoffstück in die leicht stinkende Brühe kamen

Das Färben insgesamt klappte gut. Die Farbe ist so ein gelbbraun – nicht unbedingt meine Lieblingsfarbe, aber da sind Geschmäcker ja verschieden.
Bisher hat die Farbe auch jeglichen Licht- und Waschtest überstanden, ist also zumindest mittelfristig haltbar!

4 Avocado

Dieser Versuch von einem Mitglied meiner Wolle/Seide-Fangruppe hat mich ja ziemlich geflasht.
Was würde man denn erwarten, was für eine Farbe entsteht, wenn man Wolle/Seide mit Avocadoschale färbt? Bitte einmal raten und dann erst weiterlesen!
Ich hatte ja mit Vielem gerechnet, aber nun wirklich nicht mit rosa!

Aber in dem viel beachteten Versuch wurde eine Avocadoschale ausgekocht und das verwendete Wasser dann benutzt, um einen aus wollweißem Wolle/Seide genähten Body zu färben.
Das Ergebnis kann man hier sehen – ein wunderschönes Altrosa

5 Seidenmalereifarben

Aus meiner Kindheit hatte ich noch ein paar Seidenmalereifarben übrig. Der Zwerg und ich versuchten, mit selbstgeschnitzten Stempeln ein paar Muster auf Wolle/Seide zu stempeln. Das klappte von der Art auch sehr gut – dass es jetzt nicht so beeindruckend aussieht, schiebe ich auf den Überenthusiasmus von meinem 4-jährigen 😉

Von Seide kenne ich, dass die Farben extrem verlaufen, auf der Wolle/Seide hielten sie gut an der Stelle – wer also mal Muster stempeln will, dem kann ich das durchaus als Alternative empfehlen.

6 Acid Dyes

Der etwas gefährlich klingende Name leitet sich vom sauren Färbebad ab, das beim Färben erforderlich ist.
Ich habe dafür ganz normalen Haushaltsessig genommen. Zum Färbeprozess empfehle ich folgende Anleitung auf deutsch.
Hier muss der Stoff nicht vorgebeizt werden, da die Beizsalze bereits in den Farben mit drin sind.
Das Färben ging einfach, die resultierende Farbe finde ich grandios schön. Sie ist leicht fleckig geworden, aber wirklich brilliant im Farbton.

Acid Dyes are considered low impact because when used in the correct proportion to the weight of goods being dyed, almost all the dye is taken up by the fabric. This is called exhausting the dye bath. Since the water is almost free of dye it can be safely disposed of or even reused with a totally different shade of dye.

http://www.dharmatrading.com/home/synthetic-vs-natural-dyes.html
(Übersetzung: Säurebasiertes Farben werden als niedriges Umweltverschmutzungsrisiko angesehen, da – falls man sie in der richtigen Menge benutzt- fast alle Farbe vom Stoff aufgenommen wird. Daher kann das benutzte Wasser gut entsorgt werden oder mit einer neuen Farbe wieder benutzt werden.)

Dennoch sind die Chemikalien in säurebasierten Farben nicht immer komplett harmlos – auch wenn Lebensmittelfarben eine spezialle Form von Acid Dyes sind und man daher vielleicht erstmal denkt, dass diese harmlos sein müssen. Hierüber gibt es aber so viele widersprüchliche Meinungen und Aussagen, dass ich erstmal aufgegeben habe und froh bin, dass ich die Färbung meiner Stoffe an geübte Fachleute abgegeben habe. 😮

7 Ostereierfarben

Ostereierfarben und Lebensmittelfarben sind eine Unterart der Acid Dyes. Allerdings dann Welche, die man eventuell gleich zur Hand hat und daher nett zum Ausprobieren.
Ich habe mal einen halbwissenschaftlichen Versuch gestartet und drei Stoffstücke in die Farbe getan:

  • zwei vorgebeizte Stoffstücke
  • ein unbehandeltes Stoffstück

beim unbehandelten Stoffstück wollte ich hinterher eine empfohlene Fixierung der Farbe in der Mikrowelle machen. Bei den vorgebeizten Stoffstücken sollte eins später ebenfalls in der Mikrowelle fixiert werden und das Andere nicht weiter behandelt werden.
Im Kurzzeittest war es komplett egal, ob die Stoffe vorgebeizt waren, in der Mikrowelle waren oder nicht.

Ich habe sie mal 2h in die starke Sonne gelegt und auch da waren alle Farben hinterher nicht unterscheidbar. Nur nach intensivem Waschen konnte man einen Unterschied sehen. Das nur in der Mikrowelle fixierte Stoffstück war hinterher einen Ticken blasser. Hier wird man Unterschiede wohl eher bei einer Langzeitentanwendung sehen. Ich verlassen mich daher hier auf die Aussagen von geübten Färbern, dass Beizen für die Licht- und Waschechttheit notwendig sei.
Insgesamt ist auch hier die resultierende Farbe richtig schön und leuchtend, wenn auch etwas fleckig.
Hier gibt es noch einen weiterführenden Artikel über das Färben mit Ostereierfarben.

8 Solarfärben

Eine Kundin machte mich noch auf das Thema Solarfärben aufmerksam. Den Begriff kannte ich vorher noch gar nicht. Ich habe selber keinen Versuch dazu mehr gestartet, aber hier ist ein schöner ausführlicher Artikel dazu von einer Frau, die Wolle und Seide damit färbt. Das klingt auch nach einem schönen Versuch mit Kindern (wie sie selber sagt) – vielleicht gehe ich das irgendwann mal mit dem Zwerg an!
 
 

Beizen

Das Beizen ist ein Prozess, der den Stoff auf die folgende Färbung vorbereitet und erst dafür sorgt, dass die Fasern genügend Farbstoff aufnehmen. Per se bezeichnet man beizen als ein Prozess, bei dem die Oberfläche verändert wird – etwas, was wir ja nun bei Wolle/Seide auf keinen Fall wollen. Jedenfalls nicht so, dass dann die magischen Eigenschaften dieses Stoffes verschwinden.
https://woolery.com/dyeing/natural-dyes/information-on-natural-dyes.html sagt allerdings, dass das Beizen die natürlichen Fasern von Wolle/Seide nicht verändere, sondern nur auf das Färben vorbereite.

“Mordants should not affect the physical characteristics of the fibres. Sufficient time must be allowed for the mordant to penetrate the fibre thoroughly. If the mordant is only superficial, the dye will be uneven: it will fade and will not be as brilliant as it should be. “

Es wird also noch dazugesagt, dass man dem Stoff genügend Zeit lassen müsse, um wirklich in die Faser einzudringen – kürze man den Beizprozess ab, riskiere man eine weniger intensive Färbung. Woolery spekuliert auch darüber, dass die teilweise brillianten Farben aus dem Orient vielleicht daher kommen, dass hier oft eine Kaltbeize durchgeführt, bei der die Fasern bis zu 2 Wochen in der kalten Beize liegen, bevor sie weiterverarbeitet werden. (Ob man da als Hobbyfärber die Geduld für hat, sei dahingestellt).
Und wie beizt man nun? Oft las ich in einschlägigen Foren von Beizen mit Alaun und war erst einmal skeptisch. Alaun ist erstmal nur ein Salz, aber beim Beizen fallen Aluminiumreste an, die dann ins Abwasser gehen. Kann das wirklich ökologisch unbedenklich und hautfreundlich sein? Anscheinend ja, wie ich aus folgenden Quellen schließe:

Als Beiz- und Hilfstoffe verwendet Bollhalder statt giftiger Schwermetallsalze harmlose und leicht zu entsorgende Chemikalien wie Alaun, Eisensulfat, Natron, Ammoniak, Essigsäure, Traubenzucker und Weinstein. Die Rückstände seiner Färbemittel können bedenkenlos kompostiert und somit wieder dem Naturkreislauf zugeführt werden. – Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/16312734 ©2017

und

Umwelteinfluss und Gesundheit

“Aluminiumsulfat gilt konzentrationsabhängig als gering schädlich für die Umwelt, und ist als schwach wassergefährdend (WGK 1) eingestuft. […]

Aluminiumsulfat wird im Rahmen der Abwasserreinigung […]eingesetzt.[…] Auch in der Trinkwasseraufbereitung wird es u.a. als Flockungsmittel eingesetzt.

http://www.wasser-wissen.de/abwasserlexikon/a/aluminiumsulfat.htm
So unglaublich wohl ist mir mit dem Gedanken an Aluminium in Wasser -auch bei dieser geringen Konzentration – aber irgendwie doch nicht.  Gibt es dazu Alternativen? Und was macht das Beizen eigentlich mit der Haut – ist Wolle/Seide dann auch weiterhin so unglaublich hautfreundlich?
Als wirkliche Alternative habe ich nur das Beizen mit Aluminiumacetat-Beize gefunden, welches laut diesem Artikel über das Beizen und Färben von Naturfasern umweltfreundlicher und zudem faserfreundlicher für Wolle sei .
Wie es dann allerdings mit der Hautfreundlichkeit aussieht – diese Frage scheinen sich nur die wenigsten Menschen gefragt zu haben – Alaun ist ja erstmal “nur” ein Salz – rein logisch kann ich mir nicht vorstellen, dass es hier zu extremen Hautirritationen führen kann, aber da Wolle/Seide ja gerade auch für Neugeborene oder Neuroderimitiker mit sehr empfindlicher Haut empfohlen wird, ist das schon eine Frage, die ihre Berechtigung hat, die ich aber nur sehr schwammig beantworten kann. Alaunbeize an sich solle man nämlich – laut einigen Anleitungen – besser nicht mit bloßer Hand anfassen. Hm.
Aufgrund dieser Recherchen würde ich (Achtung Laie) zum Beizen raten, damit die Färbung auch wirklich farbecht ist, aber nicht mit Alaun beizen, sondern mit Aluminiumacetat oder Aluminiumdiacetat, auch bekannt als Essigsaure Tonerde (in der Apotheke erhältlich). Hier ist auch eine Kaltbeize möglich, was für die Wolle/Seide Fasern natürlich auch verträglicher ist. In dem Artikel “Umweltschutz beim Beizen und Färben mit Pflanzenfarben” werden Beizverfahren mit beiden Stoffe auch noch näher beschrieben.
Hier wird auch noch Folgendes betont:

 “Aluminiumacetat ist faserfreundlicher als das reine Alaun. Wolle wird weniger beansprucht und bleibt weicher. “

Die Anleitung für das Beizen mit Essigsaurer Tonerde übernehme ich aus dem vorherigen Blog Wort für Wort:

Ein Liter Essigsaure Tonerde wird mit 4 Litern Wasser in einem Emaille-, Edelstahl- oder Kunststoffbehälter verdünnt.
Darin wird das trockene Naturfaser-Material eingelegt, untergedrückt, so dass die Luftblasen austreten und die Wolle unter der Flüssigkeitsoberfläche bleibt. Gebeizt wird mindestens acht Stunden, anschließend wird das Fasermaterial ausgedrückt, sehr gründlich ausgewaschen und ist bereit zum Färben.
Die Beize auf Basis von Aluminiumdiacetat (Essigsaure Tonerde) kann mehrmals verwendet werden. Sie ist bei Luftzutritt zeitlich nur einige Tage haltbar und beginnt dann mit Ausfällung und unangenehmer Geruchsentwicklung.

Sicherheitshinweise

Stoff nicht einatmen. Berührung mit den Augen, der Haut und der Kleidung
vermeiden.

Jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum das Ganze denn jetzt besser sein soll, als das Beizen mit Alaun (außer der höheren Gewebefreundlichkeit) – im Namen von Aluminiumacetat steht ja schon drin, dass das vermutlich nicht aluminiumfrei ist – das Gute am Kaltbeizen ist, dass man die Beize immer und immer verwenden kann, bis sie aufgebraucht ist – es also quasi keine Rückstände gibt.
Zur weiteren Vertiefung (wem mein Megatext also immer noch nicht reicht…) – ist hier auch noch ein toller Artikel zur Kaltbeize, inklusive eines erprobten Rezepts zur Herstellung einer Kaltbeize für Wolle:
http://wollenaturfarben.blogspot.de/2012/03/kaltbeize-zur-vorbereitung-auf-das.html
 
Soweit also zum Färben. Ja, es geht. Sogar sehr gut. Färben auf Wolle/Seide klappt besser als auf Baumwolle. Das ist schonmal gut. Komplett gleichmäßig oder immer wieder nachvollziehbar wird man die Färbungen wohl nur mit synthetischen Färbemitteln hinkriegen, aber das ist dann vielleicht auch Teil des Spannungsbogens!

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3 Idee über “Wolle/Seide färben

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  2. Jana sagt:

    Sehr interessanter Artikel! Ich habe mich bisher nicht mit dem Thema beschäftigt, aber es scheint ja einige Methoden zu geben. Danke für den Überblick!
    Jana

  3. Kadee sagt:

    Wirklich schön anschaulich erklärt und möchte eine walkjacke mit procion MX färben und eben somit statt Lauge eine saure färbebasis schaffen . Nur frag ich mich wie kann das alles dann super ausgewaschen werden ohne zu drücken um das filzen zu vermeiden…beim sanften erhitzen und sanften rühren geht das bestimmt ganz gut aber die Reste der Farbe rausbekommen ohne zu verfilzen …hmmm evtl hast du ja einen Tipp für mich😃

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